Hebamme

Die Geburt und die Rolle der Hebamme
Eine Geburt war ein Ereignis, an dem viele Personen beteiligt waren. Nachbarinnen und Familienangehörige unterstützten die Gebärende. Sie beteiligten sich aktiv an der Geburtshilfe, übernahmen Aufgaben im Haushalt, bereiteten Speisen zu und betreuten ältere Kinder. Da man damals nicht im Liegen entband, gaben die Frauen den Gebärenden Halt in den unterschiedlichsten Geburtspositionen. Die führende Rolle dieser Frauengemeinschaft übernahm die Hebamme und koordinierte die Aufgaben der anderen Frauen.
Männer waren bei den Geburten nicht dabei. Sie mussten nur dafür sorgen, dass es im Haus warm blieb und immer genügend heißes Wasser zur Verfügung stand.

Die Hebamme des Mittelalters besaß ein bedeutend umfangreicheres Wissen über die weibliche Anatomie als die meisten Männer. Sie hatte medizinisches Wissen (Kräuter) und große Erfahrung bei Geburten:

  • Sie konnte Wehen fördern oder hemmen.
  • Sie wusste genau, wann sie Frauen zum Pressen anregen musste.
  • Sie kannte Handgriffe, um die Geburtslage des Kindes zu korrigieren.
  • Als  bademuder, bademome war eine ihrer wichtigen Tätigkeiten das erste Bad des Neugeborenen und dessen weiterer Pflege.

Sie wurde ab 1310 von der Kirche per Eid zu einem christlichen Lebenswandel verpflichtet. Mit dem gleichen Eid verzichteten sie auf magische und auf die Vergabe abtreibender Mittel. Dafür durften sie sowohl Tauf- als auch Sterbesakramente spenden.
1448, nachdem Papst Innozenz VIII.  die Hexenlehre anerkannt hatte, schrieb der Dominikaner Henricus Institoris in dem Buch Hexenhammer: „Keiner schadet der katholischen Kirche mehr als die Hebammen.“