Name der Kirche

Die Martinskirche war ursprünglich eine der Maria geweihte Kirche mit dem Namen: "Unserer lieben Frau". Sie trägt ihren heutigen Namen "Martinskirche" seit 1981. In diesem Jahr entschied sich evangelische Kirchengemeinderat für diesen Namen zum einen wegen des Heiligen Martin von Tours (Namenspatron der Diözese Rottenburg-Stuttgart) und zum anderen wegen Martin Luther. Damit soll gleichzeitig die Verbundenheit mit den katholischen Geschwistern zum Ausdruck gebracht und auf die reformatorische Grundlage der heutigen Kirchengemeinde hingewiesen werden.

Marienkirche

Maria, die Mutter Jesu – von der Magd des Herrn zur Himmelskönigin
Obwohl die Bibel als Quelle äußerst zurückhaltend von Maria berichtet, haben Volksfrömmigkeit und Theologie das Marienleben reich ausgeschmückt.
Im 2. Jahrhundert werden die sparsamen Berichte der Evangelien durch eine phantasievolle Kindheits- und Jugendgeschichte der Maria ergänzt, dem „Protoevangelium des Jakobus“. Es entstand im vorderasiatischen Raum, im Bereich der großen Muttergottheiten. Maria wird als Gegenwurf zu den heidnischen Göttinnen aufgebaut: hier die erhabene Gottesmutter Maria, dort die „Große Mutter“ Ischtar, die Himmelskönigin der Babylonier, hier die Verehrung der reinen Jungfrau, dort der orgiastische Tempelkult.
Als das Konzil von Ephesus (431 n. Chr.) Maria die Würdebezeichnung „Theotokus = die Gottesgebärerin“ verleiht, gibt dieser Beschluss der Marienverehrung neue Impulse. Maria beginnt zur zentralen Gestalt der Christusgeschichte zu werden, was sich auch in der Kunst zeigt. Sie wird von nun an königliche Farben und Insignien tragen. Vom 12. Jahrhundert an wird sie im ganzen Abendland als Himmelskönigin „ Regina Coeli“ verehrt.


Der Chor der Martinskirche – ein magischer Begegnungsort zwischen dem heutigen Betrachter und Maria, der Gottesmutter
Wer den Chor der heutigen Martinskirche betritt, fühlt die ganz besondere Ausstrahlung dieses Raums. Hier befinden wir uns im ältesten Teil der Kirche, einer ehemaligen Kapelle, die „Unserer Lieben Frau“ geweiht war.
Romanische und gotische Bauelemente sowie viele erhaltene Wandmalereien treffen sich mit moderner Ausstattung und bilden eine Einheit. Die Fülle an Wandbildern erschließt uns das Marienleben und die Kindheit des kleinen Jesus bis zu dessen 12. Lebensjahr. Mit Hilfe der im Mittelalter äußerst bekannten und beliebten apokryphen Evangelien, den Heiligenlegenden, dem Protoevangelium des Jacobus, dem Pseudo- Matthäusevangelium und der Legenda aurea tauchen wir in die Sichtweisen der damaligen Glaubenswelt ein.